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Persönlichkeitspsychologie im Unternehmen: Ein übersehener Goldschatz

Lesedauer 3 Minuten

„Persönlichkeitspsychologie in meiner Organisation? Ja, ne, das brauch ich nicht… oder? 💭“

Es scheint, dass die Wirtschaftspsychologie, und insbesondere die Persönlichkeitspsychologie, oftmals im Geschäftsalltag unterschätzt wird. Doch diese Disziplin spielt eine Schlüsselrolle in der Gestaltung erfolgreicher Unternehmen und Teams.

🔍 Erster Stop: Die Definition von Persönlichkeit

Die Persönlichkeit eines Menschen ist die einzigartige Kombination aus Eigenschaften und Verhaltensmustern, die sein Denken, Fühlen und Handeln prägen. Eine weitverbreitete Methode, um die Persönlichkeit zu beschreiben, ist das sogenannte Big-Five-Modell. Es umfasst fünf Dimensionen: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Keine dieser Dimensionen ist per se gut oder schlecht; sie stellen vielmehr verschiedene Facetten der Persönlichkeit dar, die uns zu den einzigartigen Individuen machen, die wir sind.

🎯 Zweite Station: Der Wert der Persönlichkeit in Unternehmen

Verstehen wir die Persönlichkeiten unserer Mitarbeiter, können wir ihre Stärken gezielt nutzen und fördern. Dies ist nicht nur bei der Einstellung neuer Mitarbeiter von Bedeutung, sondern auch bei der Weiterentwicklung des bestehenden Personals. Eine maßgeschneiderte Personalentwicklung kann nur dann erfolgen, wenn die individuellen Persönlichkeiten der Mitarbeiter berücksichtigt werden. Auch für Führungskräfte ist es von Vorteil, ihre eigenen Stärken und Schwächen zu kennen, um ihren Führungsstil entsprechend anzupassen.

🧠 Achtung, Nerdwissen:

Die Ursprünge der Big-Five-Persönlichkeitstheorie gehen auf das frühe 20. Jahrhundert zurück, als Psychologen begannen, die menschliche Persönlichkeit anhand von Adjektiven zu beschreiben. Doch es war erst in den 1980er Jahren, dass die Big Five in ihrer heutigen Form Gestalt annahmen. Die Psychologen Robert McCrae und Paul Costa spielten dabei eine entscheidende Rolle. Sie setzten sich intensiv mit dem Thema auseinander und entwickelten das „Five-Factor Model“ der Persönlichkeit.

Die Big Five beschreiben die fünf grundlegenden Dimensionen der menschlichen Persönlichkeit: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Jede dieser Dimensionen besteht aus einer Reihe von Facetten, die spezifischere Persönlichkeitsmerkmale darstellen.

Für die Messung der Big Five gibt es mehrere Fragebögen, die als zuverlässige und valide Instrumente zur Persönlichkeitsmessung gelten. Der bekannteste unter ihnen ist der „NEO Personality Inventory“ (NEO-PI-R), den McCrae und Costa selbst entwickelt haben. Er misst nicht nur die Big Five, sondern auch die sechs Facetten, die jedem Faktor zugrunde liegen. Eine weitere Methode ist der „Big Five Inventory“ (BFI), ein kurzerer Fragebogen, der die Big Five misst, ohne auf die Facetten einzugehen. Beide Instrumente wurden in zahlreichen Studien validiert und sind weit verbreitet in der psychologischen Forschung und Praxis. Außerdem gilt die deutsche Version des BFI-2 von Danner et al. als valides Instrument, die Big Five zu messen.

💡 Dritte Etappe: Anwendung im Alltag

Erforscht Ihr die Persönlichkeiten in Euren Teams? Wer ist offen für neue Erfahrungen? Wer ist besonders gewissenhaft und detailorientiert? Wer ist extravertiert und liebt es, im Rampenlicht zu stehen? Und wer ist vielleicht eher introvertiert und bringt im Hintergrund Höchstleistungen? Indem die individuellen Stärken jedes Teammitglieds erkannt und gefördert werden, werden Effizienz und Harmonie in den Teams zum Selbstläufer.

🎯 Vierter Stop: Der Erfolg liegt im Detail (im Produktmanagement)

Im digitalen Produktmanagement spielt die Persönlichkeitspsychologie eine entscheidende Rolle, da sie hilft, die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Nutzer besser zu verstehen. Durch die Analyse von Persönlichkeitsmerkmalen können Produktmanager gezielte Strategien entwickeln, um Produkte zu gestalten, die mit den individuellen Vorlieben und Erwartungen der Zielgruppe in Einklang stehen. Darüber hinaus ermöglicht die Persönlichkeitspsychologie eine effektivere Zusammenarbeit innerhalb des Produktteams, indem sie Einblicke in die verschiedenen Arbeitsstile und Kommunikationspräferenzen der Teammitglieder bietet. In einer Zeit, in der die Personalisierung und Benutzerzentrierung im Vordergrund stehen, stellt die Persönlichkeitspsychologie ein wertvolles Werkzeug dar, um erfolgreiche digitale Produkte zu schaffen. Und das stellt nur einen kleinen Teil der Nutzungsvielfalt psychologischer Kenntnisse im Produktmanagement dar.

💬 Schlussfolgerung: Nutzt die Vorteile der Persönlichkeitspsychologie gezielt!

Die Persönlichkeitspsychologie bietet eine reiche Fundgrube an Möglichkeiten zur Verbesserung der Teameffizienz und des Unternehmenserfolgs. Würdet Ihr gerne wissen, wie vielfältig Euer Team ist? Wie stellt Ihr neue Mitarbeiter ein? Nutzt Ihr Fragebogen zur Persönlichkeit und überlegt Euch vorab, welche Eigenschaften ein Bewerber mitbringen soll? Oder verlasst Ihr Euch lieber auf Euer Bauchgefühl?

Eure Karin

Übrigens: Introversion und Extraversion als Teil der BigFive sagen einiges über unser Sozialverhalten aus. Zum Beispiel, ob jemand lieber in großer Runde oder alleine unterwegs ist? Aber Vorsicht: Ausnahmen bestätigen die Regel (oder zumindest so ähnlich). Die beiden Eigenschaften liegen auf derselben Skala, aber in unterschiedlichen Richtungen und können je nach System, Situation und sozialem Umstand variieren. Mehr dazu hier: Introversion in der Organisationsberatung

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